Wenn alles erlaubt ist – wer schützt dich dann?
- Katrin Lisette

- 22. Jan.
- 4 Min. Lesezeit
Es ist manchmal schwer für mich mit anzusehen, wie Menschen, die ich begleite, sich an Betäubungen festhalten: an Drogen, an Horrorfilmen, an Essen und Getränken, die den Körper stumpf machen. Und ich sehe gleichzeitig diese Welt da draußen, die vieles frei zugänglich macht – und es im selben Atemzug „normal“ nennt.
Die Botschaft lautet oft: Ist okay. Mach halt.
Und gleichzeitig ist diese Welt erstaunlich streng, maßregelnd, kontrollierend – nur nicht da, wo sie uns wirklich schützt. Manchmal habe ich sogar das Gefühl, sie verdunkelt uns den besseren Weg. Nicht durch offene Verbote, sondern unter dem Deckmantel: „Vertrau uns.“ Denn alles ist verfügbar, alles ist normalisiert – und Verantwortung wird dir stillschweigend zurückgegeben, erst wenn es weh tut.
Ist das Unsere Freiheit?
Ich sage: Ja. Weil Verbot nicht Freiheit ist. Aber „alles erlaubt“ ist auch nicht automatisch Freiheit – es ist oft nur Verfügbarkeit.
Freiheit braucht Bewusstsein: dass du erkennst, was dich nährt, und was dich langsam aus dir herauszieht. – und genau deshalb sind wir für uns selbst verantwortlich. Voll und ganz. Nur: Wir sind innerlich oft wie Kinder. Wir glauben, eine höhere Autorität werde uns schon schützen. Doch die Welt da draußen schützt uns nicht. Das ist nicht ihr Job. Und vielleicht ist genau das die Initiation: zu lernen, uns selbst zu schützen.
Dafür müssen wir unterscheiden lernen: Was ist gut für mich – und was ist schädlich? Dafür haben wir zwei Werkzeuge: Fühlen und Verstand.
Wir spüren die Wahrheit – wenn wir still genug sind
Meine Tochter ist gerade 18 und entdeckt die Welt. Auch die Gefahren. Und sie hat schnell erkannt, was viele erst später erkennen. Neulich sagte sie ganz trocken, ohne Drama: „Alkohol ist Gift.“ Und ja: Viele spüren sehr klar, wie belastend Alkohol sein kann – und viele Jugendliche in ihrem Alter sehen das heute klarer als früher.
In meiner Jugend war dieses Wissen nicht so präsent. Trinken war legitim, fast schon „guter Ton“. Es gehörte dazu. Und bis heute wirst du in unserer Gesellschaft oft schief angeschaut, wenn du nicht trinkst – als müsstest du dich rechtfertigen, dass du bei dir bleiben willst.
Betäubung verlängert Schmerz
Betäubung verlängert Schmerz, weil sie Verarbeitung unterbricht. Sie nimmt nicht weg – sie verschiebt. Sie parkt. Sie deckt zu. Und irgendwann meldet sich das, was du nicht fühlen wolltest, trotzdem.
Und sie verstärkt oft genau das, wovor du flüchtest: alte Wunden, alte Schutzstrategien, alte Schatten. Nicht als Strafe – sondern weil dein System irgendwann nicht mehr bereit ist, ewig zu tragen.
Wenn du länger in deinen Themen stecken bleiben willst, dann betäube dich: mit Alkohol, mit Drogen, mit Gewaltfantasien, mit Musik, die Verachtung normalisiert, mit Inhalten, die dein Nervensystem in Alarm halten.
Bitte versteh den Sarkasmus: Ich will kein Moralapostel sein.
Ich will dich aufmerksam machen auf etwas sehr Konkretes: Energien und Frequenzen, die du dadurch aufnimmst – und die sich in dir ausbreiten. Und das meine ich nicht nur „spirituell“. Ich meine die Reaktion deines Nervensystems: wie sicher oder alarmiert du innerlich bist, wie sehr du dich regulieren kannst – und was dich immer wieder aus dir herauszieht.
Warum ich von Energien und Frequenzen spreche
Weil du sie spüren kannst. Und weil sie ein verlässlicherer Wegweiser werden können als die lautesten Meinungen von außen.
Niemand von außen kann dir den richtigen Weg zeigen. Du kannst Impulse bekommen, Hinweise, Erfahrungen anderer. Aber Meinungen und Bewertungen – die sind gefährlich. Sie tun oft so, als wären sie Wahrheit. Alles ist erstmal Information. Die Wahrheit findest du in dir.
Frag dich ganz schlicht:
Würdest du Alkohol trinken, wenn du am nächsten Tag wirklich bewusst spürst, was er in deinem Körper und in deinem Feld ausgelöst hat?
Würdest du wollen, dass jemand anderes die Dinge mit sich macht, die du mit dir machst?
Wenn nicht: Warum tust du es dir dann an?
Und ja: Für mich gehört da nicht nur Alkohol und Drogen dazu. Auch Zucker. Auch Social Media im Übermaß. Auch Computerspiele als Flucht. Auch Glücksspiel... Nicht, weil „alles böse“ ist – sondern weil alles zur Betäubung werden kann, wenn du es benutzt, um dich nicht zu fühlen.
Die Gier nach dem perfekten Leben ist eine Sackgasse
Das perfekte Leben gibt es meines Erachtens nicht. Es gibt nur deine Bewertung deines Lebens. Und daraus wird dein Leben.
Wenn du nicht bereit bist, gut zu dir zu sein, wird dir das gute Leben nicht begegnen. Wenn in dir kein Raum für das Gute ist – dann siehst du es nicht. Dann lädst du unbewusst andere Dinge in dein Leben ein: Dinge, die du vielleicht gar nicht willst. Und irgendwann wunderst du dich, warum dein Leben sich so eng anfühlt – obwohl du doch „alles richtig“ machst.
Und ja: Wir entscheiden das. Nicht einmal groß und dramatisch. Sondern täglich. Mit jedem Tag. Mit jedem Augenaufschlag. Mit jeder Träne, die du nicht weinst, weil du sie lieber betäuben willst.
Komm zurück: in deinen Körper, in deine Kraft
Lach.
Schrei.
Tanz.
Bete.
Und am Ende: erde dich.
Steig aus deinem persönlichen Trauma aus – aus diesem Nebel der dich glauben lässt „ich muss nur irgendwie durchhalten“.
Fang an, dein Leben zu gestalten. Bewusst.
Lass Dinge weg, die dir nicht gut tun.
Renn nicht vor deinen Gefühlen weg, aber finde eine Distanz zu ihnen.
Achte auf Gedanken und Worte: Sie sind nicht harmlos.
Habe eine klare Vision davon, wie dein Leben sein soll – und fühle sie.
Entscheide aufgrund dessen.
Das hört sich leicht an. Aber ich weiß: In echt ist es Arbeit. Und manchmal richtig schwer.
Das Leben ist komplex. Wissenschaft erklärt vieles sehr gut – und trotzdem bleibt Leben lebendig, widersprüchlich und nicht vollständig planbar. Aber es gibt Prinzipien, die immer wieder greifen. Und es gibt Wissen. Und wenn du beginnst, beides zu beherzigen und in deinem Leben umzusetzen, kannst du viel bewegen.
Du kannst dich in eine schönere, glücklichere und meist ruhigere Welt hinein entwickeln. Das Leben wird dir immer wieder etwas zeigen. Aber du kannst lernen, die Wellen zu erkennen – und du wirst nicht mehr (scheinbar) von außen gesteuert, weil du wieder bei dir bist.
Hinweis zum Ton: Ich habe diesen Text bewusst wuchtig geschrieben, damit er echt bleibt. Er ist nicht komplett neutral und nicht weichgespült – so, wie man es formulieren würde, wenn man allen gerecht werden will. Es ist meine persönliche Sicht und Erfahrung. Nimm es als Impuls, nicht als Wahrheit. Prüfe in dir, was resoniert – und lass den Rest liegen.

