top of page

Warum wir Beziehungen sabotieren

Autorenbild: Katrin Lisette
Katrin Lisette
vor 3 Tagen
4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 1 Tag

TRAUMATHERAPIE · BINDUNG & BEZIEHUNG


Wie alte Erfahrungen heute in der Liebe mitspielen


Es läuft gut. Ihr schreibt euch, ihr trefft euch, es fühlt sich leicht an. Dann wird dein Gegenüber an einem Abend still. Vielleicht einfach nur müde. Aber in dir geht etwas los. Dein Herz rast, du gehst im Kopf durch, was du falsch gemacht haben könntest, und am liebsten würdest du gehen, bevor du verlassen wirst. Dein Körper ist in Alarm, obwohl eigentlich gar nichts passiert ist. Was du da erlebst, nenne ich den Film.



Was der Film ist

Ein Film entsteht, wenn ein Gefühl von früher im Heute auftaucht und sich so anfühlt, als gehöre es ins Jetzt. Diese Gefühle haben eine Geschichte. Meistens stammen sie aus Erfahrungen, die du als Kind immer wieder gemacht hast, mit den Menschen, die damals deine Welt waren: Eltern und Großeltern, Tanten und Onkel, Lehrerinnen und Lehrer, aber auch Mitschülerinnen und Mitschüler. Menschen, von denen du abhängig warst, zu denen du gehören wolltest oder denen du nicht ausweichen konntest.


Nehmen wir zum Beispiel die Stille. Für die einen ist Stille einfach Ruhe. Für andere war Stille früher der Moment, bevor der Vater ausgerastet ist. Oder der Abend, an dem die Mutter nicht mehr nach Hause gekommen ist. Dann ist Stille bedrohlich, und zwar so lange, bis man es erkennt: Dein Gegenüber spielt in diesem Moment eine Rolle in deinem Film. Eine Rolle, die eigentlich jemand anderem gehört.


Wenn das Gespür für Liebe fehlt

Wenn du mit Eltern aufgewachsen bist, die emotional nicht erreichbar waren, kennst du das vielleicht. Weil sie psychisch krank waren, depressiv oder alkoholkrank. Weil ein Elternteil lange im Krankenhaus war oder auf einmal ganz weg. Weil beide den ganzen Tag arbeiten waren und du allein zu Hause warst, vielleicht noch für deine Geschwister verantwortlich. Manche von uns haben auch Vernachlässigung erlebt, Abwertung oder Missbrauch.


Wer so aufwächst, lernt etwas, das später in Beziehungen eine große Rolle spielt: Unser System prüft dann kaum noch, ob ein Verhalten liebevoll oder lieblos ist. Es prüft, ob es vertraut ist.


Kenne ich das? Dann steige ich ein und greife auf meine Strategien aus der Kindheit zurück. Ich komme klar, auch wenn die Beziehung von außen betrachtet ungesund ist.


Kenne ich das nicht? Dann werde ich unruhig. Ich suche den Fehler, und am Ende sabotiere ich die Beziehung, nur um wieder "sicher" zu sein. So kann es passieren, dass du aus und trotz deiner Angst, verlassen zu werden, selbst die Trennung einleitest.


Mit dem Menschen an deiner Seite hat das oft wenig zu tun. Es liegt daran, dass du nie gelernt hast, dass man Menschen vertrauen kann.


Dein Film ist Interaktiv

Dein Film reagiert auf den Menschen, der dir gegenübersteht. Auf seine Stimme, seine Nähe, seine Stille. Je nachdem, was dein System darin wiedererkennt, nimmt die Geschichte eine andere Wendung. Es gibt unzählige Varianten. Zwei davon begegnen mir in meiner Praxis besonders oft.


Möglichkeit 1: Du triffst einen Menschen, mit dem du ganz in Ruhe eine Beziehung aufbauen könntest. Zugewandt, liebevoll, freundlich. Aber genau das ist dir fremd. Der Film erzählt dir, dass es hier gefährlich ist, dass du hier raus musst. Und die Angst treibt dich aus einer Beziehung, die eigentlich gut für dich wäre.


Möglichkeit 2: Du triffst einen Menschen, der sich nicht gut verhält. Der abwertet, sich zurückzieht, mal ganz nah ist und dann wieder kalt. Und dein System beruhigt dich. So schlimm ist das doch gar nicht. Das war nur ein schwerer Tag. Was eigentlich nicht in Ordnung ist, wird innerlich wieder herunter geregelt.


Beides ist keine Schwäche. Es sind Anpassungen an das, was du als Kind erleben musstest.


Die erste Frage: Sicher oder unsicher?

Bevor es um Muster, Ursachen und Kindheit geht, steht deshalb eine Frage am Anfang, die einfach klingt und doch so schwer ist: Ist der Mensch, mit dem ich zusammen bin, sicher oder unsicher? Und erzählt mir mein Gefühl gerade etwas über diesen Menschen oder über damals?

Diese Frage allein zu beantworten, ist schwer, gerade weil das eigene Gespür an dieser Stelle nicht verlässlich ist. Was hinter einem Trigger steckt, ist oft ganz schön komplex.


Es fühlt sich so echt an

Wenn der Film läuft, ist das kein Gedanke, den man einfach beiseite schieben kann. Es ist ein Zustand im ganzen Körper: Herzrasen, Enge, Zittern, Panik. Meine Klientinnen sagen dann oft: „Es fühlt sich so echt an. Als würde es gerade wirklich passieren. Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass es nicht passiert.“


Und genau in diesem Zustand fehlt die Möglichkeit zu prüfen: Passiert das hier gerade wirklich? Was könnte noch hinter dem Schweigen stecken? Vielleicht Müdigkeit, vielleicht Sorgen, vielleicht etwas, das mit dir gar nichts zu tun hat. Diese Fragen tauchen im Film einfach nicht auf.


Die innere Beobachterin

Der Weg aus dem Film beginnt damit, ihn überhaupt als Film zu erkennen. „Ah, da ist der Film wieder.“ Dafür braucht es eine innere Instanz, die zuschaut, statt mitzuspielen. Ich nenne sie die innere Beobachterin. Manchen ist der innere Beobachter näher, beides ist richtig.


Am Anfang ist die Beobachterin vor allem tröstend, so wie eine liebevolle Mutter, die du dir vielleicht immer gewünscht hast: „Es ist nicht schlimm, dass du einen Fehler gemacht hast. Es ist nicht okay, so behandelt zu werden. Du darfst deswegen traurig sein. Du darfst dich jetzt um dich kümmern.“


Oder wie ein zugewandter Vater, der dir Halt gibt und dich ermutigt: „Ich bin da. Du schaffst das. Probier es aus, ich fange dich auf, wenn es schiefgeht.“


Mit der Zeit verändert sich die Beobachterin. Sie wird neugierig, fast wie eine Forscherin: „Oh, spannend. Da zeigt sich ja wieder dasselbe Muster.“ Die Forscherin hat Abstand. Sie kann hinschauen, ohne darin zu versinken, und sich im Moment anders entscheiden.


Warum das selten allein geht

Die tröstende Beobachterin ist am Anfang nicht einfach da. Wenn du nie erlebt hast, mit deinen Gefühlen gehalten zu werden, ohne bewertet zu werden, kannst du dir das nicht einfach selbst beibringen. Diese Erfahrung entsteht im Kontakt: wenn jemand zuhört, etwas zurückgibt und nicht urteilt. Aus dem Trost von außen wächst nach und nach der Trost von innen.


Jedes System läuft anders. Ich finde mit dir heraus, wie deine Programmierung funktioniert und was deine Beziehungen sabotiert. In meiner Praxis in Essen und online.


 
 

​Katrin Lisette Leimkühler • Heilpraktikerin (Psychotherapie)

Rellinghauser Straße 214  • 45136 Essen, • Tel: 0162 88 77 650 • kontakt@psychotherapie-leimkuehler.de

Praxis für Psychotherapie nach dem Heilpraktikergesetz (Online und vor Ort in Essen)

​Selbstzahlerleistung: Du begleichst das Honorar immer selbst – ggf. kannst du bei deiner Kasse eine (Teil-)Erstattung anfragen, ohne Garantie.

© 2026 Katrin Lisette - Qualia - Trauma & Energie

bottom of page